Neubau und Sanierung Oberösterreichisches Landesarchiv in Feldkirchen an der Donau
KATEGORIE
ORT
Feldkirchen
JAHR
2026
VERFAHREN
offener Wettbewerb
AUSLOBER
Landes-Immobilien GmbH
ARCHITEKTUR
STATUS
3. Preis
Beschreibung
Freianlagenkonzept
Das Freianlagenkonzept ordnet das Schlossareal neu und entwickelt aus den funktionalen Anforderungen ein klar gegliedertes, robustes und identitätsstiftendes Freiraumsystem. Ausgangspunkt ist die Setzung des Archivspeichers südlich des Altstoffsammelzentrums. Daraus wird eine neue Erschließungsstruktur entwickelt, die die geforderten Stellplätze im Norden aufnimmt, das Altstoffsammelzentrum funktional umfährt und zugleich die Anlieferung des Archivspeichers sowie die Erreichbarkeit der Werkhofbereiche am Schloss sicherstellt. Die Lösung bündelt die Verkehrsflächen auf das notwendige Maß, schafft klare Adressen und trennt die unterschiedlichen Nutzungen lesbar, ohne auf sinnvolle Synergien in der Erschließung zu verzichten.
Durch die Neuorganisation der Fahrflächen kann die Grünfläche nördlich des Schlosses deutlich vergrößert werden. Die bislang versiegelten, in diesem Umfang nicht mehr erforderlichen Verkehrsflächen werden zugunsten eines großzügigen landschaftlichen Vorfelds zurückgebaut. Hier entsteht die Schlosswiese als extensive Blühwiese mit eingestreuten Gehölzpflanzungen und einzelnen neuen Bäumen. Sie stärkt die freiräumliche Präsenz des Schlosses, verbessert den Grünflächenanteil und formuliert einen ruhigen, repräsentativen Übergang zwischen Parken, Archivnutzung und historischem Bestand. Eine fußläufige Wegeverbindung führt durch die Wiese und bindet die nördlichen Stellplätze direkt an den Mitarbeitereingang des Archivs an.
Der Schlosshof bildet den Hauptzugang zum Landesarchiv und damit die zentrale Adresse der Anlage. Er wird in seiner Erscheinung beruhigt, räumlich geordnet und als repräsentativer Ankunfts- und Aufenthaltsort neu gefasst. Eine großzügige zentrale Grünfläche integriert den prägenden Baumbestand und ergänzt diesen durch gezielte Neupflanzungen. In ihrer Geometrie nimmt die Fläche die wesentlichen Wegebeziehungen auf und schafft zugleich eine ruhige Mitte. Ein Brunnen und ergänzende Sitzelemente im südlichen Bereich erhöhen die Aufenthaltsqualität und stärken den Schlosshof als repräsentativen Freiraum. Die geforderten Fahrradstellplätze werden dezent über Fahrradbügel in den Hof integriert.
Im Sinne einer differenzierten Hofabfolge werden weitere Freiräume mit jeweils eigenständiger Typologie ausgebildet. Der Gartenhof ist als grüner Rückzugsraum gedacht. Er bietet geschützte Aufenthaltsbereiche mit Sitzgelegenheiten in einem ruhigen, gartenartigen Ambiente. Der Werkhof knüpft an die funktionale Prägung des Bauhofs an und bleibt entsprechend robust und befestigt ausgebildet. Eine markante Baumneupflanzung und eine Rundbank setzen hier einen prägnanten räumlichen Akzent und verleihen auch diesem eher funktional geprägten Ort eine qualitätsvolle Aufenthaltskomponente.
Zwischen Schlossbestand und neuem Archivspeicher entsteht mit dem Zisternenhof der vierte Hofraum. Er übersetzt das Leitmotiv des Speicherns in die Freiraumgestaltung: So wie der Archivspeicher Wissen und Kulturgut bewahrt, sammelt und speichert der Zisternenhof das Niederschlagswasser. Die Regenwasserführung wird hier sichtbar gemacht und als identitätsstiftendes Element inszeniert. Das Konzept reagiert damit zugleich auf die Anforderungen des Standorts im Wasserschutzgebiet und verbindet technische Notwendigkeit mit räumlicher Qualität. Ergänzend dazu wird im westlichen Übergang zur offenen Flur ein Regengarten als Versickerungs- und Retentionsfläche ausgebildet. Zusätzliche Baumpflanzungen rahmen den Archivspeicher und binden den Neubau selbstverständlich in das Gesamtareal ein. Unterirdische Eingriffe werden dabei bewusst minimiert und die wasserbezogenen Freiraumelemente oberflächennah organisiert.
Im Norden wird das Altstoffsammelzentrum kompakt organisiert und die notwendige Ver- und Entsorgung der neuen Containeranlagen funktional berücksichtigt. Der hierfür erforderliche Höhenversprung wird durch eine landschaftliche Modellierung entlang des Baukörpers vermittelt, sodass die technischen Anforderungen in eine stimmige Topografie überführt werden. Insgesamt entsteht ein Freianlagenkonzept, das Erschließung, Ökologie, Wasserhaushalt und Aufenthaltsqualität zu einem zusammenhängenden Ganzen verbindet und dem Schlossareal als künftigen Standort des Landesarchivs eine klare und angemessene freiräumliche Identität verleiht.




