Entwicklungsfläche
Europaplatz
KATEGORIE
ORT
Tübingen
VERFAHREN
Städtebaulicher und Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
JAHR
2026
ARCHITEKTUR & STADTPLANUNG
AUSLOBER
Universitätsstadt Tübingen
STATUS
3. Preis
Beschreibung
Das Neue orientiert sich am Vorhandenen
Als neuer zentraler Stadtbaustein schaffen die drei Baukörper ein offenes Quartier für Begegnung, Aufenthalt und vielfältige Nutzungen. Die Einzelbauten reagieren auf ihre stadträumlichen Situationen und formulieren klar lesbare Adressen und neue öffentliche Räume. Das Haus am Park bildet mit Büroflächen, Praxen und Wohnen eine urbane Parkkante. Sein belebter Vorbereich mit den Erdgeschossnutzungen ist Teil der „Bahnhofsallee“, die vom Bahnhof über das Konzerthaus bis zu den Grünräumen am Neckarufer führt. Unter der Baumhalle entsteht ein schattiger Aufenthalts- und Bewegungsraum, der Café am See, Radstation und Konzerthaus miteinander verbindet. Das Haus am Bahnhof fasst mit Hotel und öffentlichen Nutzungen den Bereich des Busbahnhofs und gibt dem Bahnhof ein selbstverständliches Gegenüber. Unterschiedliche kommerzielle und bürgerschaftliche Erdgeschossnutzungen beleben den Platz und stärken seine Funktion als Ankunfts- und Aufenthaltsort. Das Hochhaus setzt einen weithin sichtbaren Akzent am Bahnhof und Europaplatz und lässt jenseits seiner Prägnanz und damit verbundener Markierung im gesamten Stadtraum auch erkennen, dass der neue Stadtbaustein eben nicht nur bestehende Straßen begleitet, sondern auch neuen Raum birgt, der zur Stadterfahrung einlädt. Flexible, öffentlichkeitswirksame Flächen im Erd- und Dachgeschoss bieten Raum für universitätsnahe Veranstaltungen, Ausstellungen und weitere öffentliche Nutzungen. Der Europahain Im Inneren des Quartiers bietet einen ruhigen, schattigen Hof mit hoher Aufenthaltsqualität und Anbindung an sein gesamtes Umfeld: an Innenstadt, Bahnhof, und Park mit geplantem Konzerthaus. So entsteht aus drei eigenständigen Adressen ein zusammenhängendes Neues: Urban, grün und gemeinschaftlich – zeitgemäß und flexibel.
Stadt und Freiraum
Die städtebauliche Setzung erzeugt eine klare Hierarchie unterschiedlich geprägter und eng miteinander vernetzter Freiräume. Die Baumhalle entlang der Bahnhofsallee, der Vorplatz des Konzerthauses, kleinere grüne Platzsituationen an den umgebenden Straßenräumen und der zentral gelegene Europahain bilden ein robustes räumliches Grundgerüst. Die Freiräume des Quartiers erhalten entsprechend ihrer Lage und Funktion eigenständige Charaktere. Entlang der Bahnhofsallee entsteht die Baumhalle aus hoch aufgeasteten Großbäumen, deren geschlossenes Kronendach Schatten für Verweilen und Spiel spendet und einen großzügigen Aufenthaltsraum ausbildet. Der Europahain bildet das grüne Herz und den gemeinschaftlichen Mittelpunkt des neuen Quartiers. Großkronige Bäume prägen den Raum, schaffen einen Hain und sorgen auch an heißen Sommertagen für eine hohe Aufenthaltsqualität. So entsteht ein flexibel nutzbarer, konsumfreier Aufenthaltsort.
Vertikale Nutzungsverteilung, Konzeptvergabe und Erdgeschosslagen
Die Struktur der Baukörper, der Erdgeschosslagen und der öffentlichen Räume sind konsequent auf eine flexible Belegung im Rahmen des Konzeptvergabeverfahrens ausgelegt. Um der Situation am Bahnhof gerecht zu werden ist außer am Haus am Park mit seiner begünstigten Lage keine Wohnnutzung unterhalb des 3. OG vorgesehen. Das Wohnsegment ist dabei nicht vorbestimmt, auch geförderte Wohnungen erscheinen hier durch die flexible Aufteilungsmöglichkeiten der Wohnungsgrößen möglich.
Mobilitäts, Versorgungs- und Erschließungskonzept
Die direkte Anbindung an den ÖPNV und das Tübinger Radwegenetz schafft ein Quartier, in dem Fahrrad und öffentlicher Verkehr die tragenden Elemente der Alltagsmobilität bilden. Die Erschließung des Quartiers erfolgt konzentriert, ohne Belastung des öffentlichen Raumes. An der Europastraße die Zufahrt zu den Untergeschossen angeordnet. Über diese können sowohl die Tiefgarage als auch die Ver- und Entsorgung der Gebäude organisiert werden. Unter den drei Bauten ist eine zusammenhängende Tiefgarage mit der erforderlichen Stellplatzzahl möglich. Fahrradabstellanlagen können in den Untergeschossen angeordnet und komfortabel über die Rampe erreicht werden. Die öffentlichen Freiräume bleiben konsequent frei von Unterbauung.
Stadtklimatisches Konzept
Klimaresilienz wird bereits in der Grundstruktur des Quartiers verankert. Ein hoher Anteil unversiegelter Flächen, großzügige Baumpflanzungen und die offene Setzung der Baukörper schaffen Verschattung, Verdunstung und eine gute nächtliche Durchlüftung. Die offenen Strukturen ermöglichen Kaltluftströme aus dem angrenzenden Park und den Wasserflächen und unterstützen zugleich die natürliche Belüftung der Wohnungen.
Regenwassermanagement
Das Regenwassermanagement folgt konsequent dem Prinzip der Schwammstadt: Niederschlag wird dezentral zurückgehalten, gespeichert, verdunstet und den Vegetationsflächen zur Verfügung gestellt. Bepflanzte und miteinander vernetzte Baumscheiben nehmen Oberflächenwasser auf und werden zu sichtbaren Elementen der grün-blauen Infrastruktur. So verbinden sich Überflutungsvorsorge, Vegetationsversorgung, Verdunstung und Verschattung zu einem robusten stadtklimatischen Gesamtsystem.
Ökologie im Städtebau
Die starke Durchgrünung schafft neue, klimatisch und ökologisch wirksame Lebensräume und erweitert die Vegetationsstrukturen des Anlagenparks. Grosskronige und klimaangepasste Bäume bilden zusammen mit bepflanzten Baumscheiben, Retentionsflächen und differenzierten Unterpflanzungen ein zusammenhängendes grünes Netzwerk. Die Dachlandschaft wird als zusätzliche ökologische Ebene aktiviert: Photovoltaikflächen werden mit extensiver Begrünung kombiniert, während intensiv gestaltete Dachgärten mit Stauden, Sträuchern und
kleineren Gehölzen gemeinschaftlich nutzbare Freiräume schaffen. Die unterschiedlichen Vegetationsstrukturen verbessern Verdunstung, Verschattung und Wasserrückhalt und bieten zugleich Nahrung, Rückzugs- und Nistmöglichkeiten für Insekten, Vögel und Fledermäuse. Auf diese Weise verbinden sich urbane Nutzungsintensität, Naturerfahrung und Biodiversität zu einem resilienten innerstädtischen Lebensraum.
Nachhaltigkeit und klimagerechte Bauweise
Einfache Konstruktionsweisen und sortenreine Materialien bilden die Ausgangslage. Ein hoher Vorfertigungsgrad ermöglicht kurze Bauzeiten und reduziert Baustellendauer und die Belastung der Umgebung in der Bauphase. Die Erstellung in der Bauweise verbindet die Vorteile des Massivbaus im Hinblick auf Schallschutz und thermische Speichermasse mit den ökologischen Vorteilen des Holzbaus. Künftige Umbauten werden durch die Skelettbauweise und den hohen Vorfertigungsgrad erleichtert und beschleunigt. Die Konstruktion der Bauten erfolgt nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip: Materialien sind sortenrein trennbar und können in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Die Wärmeversorgung wird durch den Fernwärme-Netzverbund Süd der Stadtwerke Tübingen gedeckt werden. Zusammen mit der erzeugten erneuerbaren Energie von den als Bio-Solardächern ausgebildeten Dachflächen ist das Energiekonzept konsequent auf die Abkehr von fossilen Trägern ausgerichtet.




